Prototyp zur Unterstützung von Menschen in Momenten der Reizüberflutung
UX UI Semesterarbeit im dritten Semester in Zusammenarbeit mit zwei Kommilitonen.
Problemstellung
Du bist unterwegs. Die Stadt rauscht um dich herum. Stimmen, Schritte, Motoren, grelles Licht. Alles passiert gleichzeitig. Während andere einfach weitergehen, spürst du, wie jeder Reiz lauter, heller, intensiver wird. Du suchst nur einen Moment der Ruhe, einen Ort zum Durchatmen.
Für viele neurodivergente oder hochsensible Menschen ist das Alltag. Reizüberflutung ist nicht nur unangenehm, sondern erschöpfend und oft unsichtbar. Es bleibt das Gefühl einer Welt, die zu laut, zu hell und zu schnell ist.
User Research
Beginnend mit der Nutzerforschung entwickelten wir User Personas, User Stories und Use Cases, um die Bedürfnisse der Zielgruppe klar zu definieren. Anschließend ging es darum, diese Bedürfnisse vertieft zu verstehen und unsere Annahmen aus der Problemstellung zu überprüfen. Dafür luden wir Studierende ein, die sich mit der Zielgruppe identifizierten, an einem Workshop zum Testen und Diskutieren der Hauptfunktionen teilzunehmen. Die Session lieferte uns unmittelbare Nutzerreaktionen, strukturiertes Feedback und wertvolle Impulse, die direkt in die Weiterentwicklung des Konzepts eingeflossen sind.
„Silent Space ist für alle, die sich in einer lauten Welt nach Ruhe sehnen.“
Zielsetzung
Unser Ziel ist es, einen digitalen Raum für neurodiverse und reizüberflutete Menschen zu schaffen. Einen Ort, der unmittelbar Ruhe vermittelt, durch stille Zeitfenster in Geschäften, ruhige Orte im urbanen Raum, eine Toolbox zur Selbstregulation sowie Wissen rund um Reizregulation. Gleichzeitig soll die Anwendung auch Außenstehenden mehr Verständnis ermöglichen und damit Empathie und Rücksichtnahme im Alltag fördern.
Designlösung
Die Ruhekarte dient als zentrale Orientierungshilfe und zeigt Nutzenden Orte, an denen sie zur Ruhe kommen können. Die Einschätzungen der Ruhekarte basieren auf einem dreidimensionalen Ruhe‑Modell, das objektive, subjektive und situative Faktoren kombiniert. Objektive Ruhe umfasst messbare äußere Bedingungen wie Verkehrslärm oder Menschenaufkommen. Subjektive Ruhe erfasst die sensorische Wirkung eines Ortes über Nutzenden‑Tags in den Kategorien Klang, Licht, Geruch, Raum und Vibration. Da Ruhe zudem stark vom Zeitpunkt abhängt, fließen auch situative Angaben wie Wochentag und Tageszeit in die Bewertung ein. So entsteht ein präzises Ruheprofil, das die App in Echtzeit in der Kartenansicht sichtbar macht.
Die Ruhetools bieten schnelle Unterstützung in Momenten der Reizüberflutung. Sie bündeln Übungen und kleine Tools, die Nutzenden helfen, sich unmittelbar zu regulieren und den Fokus zurückzugewinnen. Vier klar strukturierte Kategorien bieten unterschiedliche Wege zur Beruhigung an: Klänge, Spiele, Atem & Sinne sowie Bilder.
Der Bereich Ruhewissen vermittelt verständlich aufbereitetes Wissen rund um Stress, Reize und Selbstregulation. Er richtet sich sowohl an Menschen, die selbst von Reizüberflutung betroffen sind, als auch an Personen, die mehr Verständnis entwickeln und im Alltag rücksichtsvoller handeln möchten.
Wireframes
Für die in Figma erstellten Wireframes habe ich Komponenten mithilfe von Auto Layout aufgebaut und deren Instanzen in die jeweiligen Frames integriert. Die meisten Interaktionen wurden zentral auf den Komponenten definiert. Um ein konsistentes Design sicherzustellen, wurden die Farbpalette sowie die Schriftstile global über die Styles verwaltet. Für barrierefreie Gestaltung kamen ausschließlich Schriftgrößen ab 16 px zum Einsatz, ergänzt durch eine kontraststarke Farbpalette aus dem Accessible Color Palette Generator. Die Lesbarkeit wurde durch eine Spationierung von +0,12 bis +0,2 optimiert. Die Barrierefreiheit wurde anschließend mit dem Figma‑Plugin Stark geprüft, welche für die Frames verschiedene Sehbeeinträchtigungen sowie Kontrastanalysen (min. 4.5:1) simulierte. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Wireframes habe ich diese stetig mit den User Flows abgeglichen und gegenseitig korrigiert.
Text Styles
Komponente
Layers
Variables
Simulation
Simulation
Komponente
Frames
Logo
Als visuelles Leitmotiv wurde im Rahmen des Workshops die Schildkröte gewählt, da sie zentrale Werte des Prototypen wie Ruhe, Schutz und Entschleunigung symbolisiert. Ich habe dieses Motiv subtil in die Wortmarke „Silent Space“ integriert. Die organischen Rundungen der Schrift „CoconPro“ unterstützten diesen Ansatz. Durch das enge Setzen der Buchstaben entstand zwischen „p“ und „a“ eine schildkrötenartige Form, die gezielt verfeinert und typografisch ausbalanciert wurde, um eine ruhige und wiedererkennbare Markenidentität zu schaffen.
Illustrationen
Ausgehend von der Wortmarke habe ich begleitende Illustrationen entwickelt. Die Illustrationen werden überwiegend in den Funktionen der Ruhetools und des Ruhewissens als visuelle Unterstützung eingesetzt.
© 2026 Lisa Gerdes Illustration
© 2026 Lisa Gerdes Illustration
© 2026 Lisa Gerdes Illustration
Ausblick
Die Teilnehmenden unseres Workshops sahen in dem Prototypen einen echten Mehrwert für Menschen, die im Alltag schnell an ihre Grenzen kommen. Dieses Feedback bestärkt uns darin, die Idee weiterzuentwickeln und iterativ zu verfeinern.